Inklusion in der pädagogischen Arbeit


„Ich darf sein, der ich bin - und werden, der ich sein kann."

(U. Schaffer)



Integration – Sepration - Inklusion


Integration:

Unter „Integration“ versteht man in der Pädagogik die Eingliederung und Einbeziehung von Kindern mit Beeinträchtigungen/Behinderungen in eine soziale Gruppe. In diesen Gruppen werden für die Integrationskinder entsprechende Unterstützungs- und Fördermaßnahmen definiert und Förderpläne erstellt.

Integration unterscheidet also zwischen Kindern mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Förderbedarf.


Separation:

Separation ist das Gegenteil von Integration. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf werden ausgeschlossen.


Inklusion:

Das Wort „inclusio“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Einschluss oder Eingliederung. In einer inklusiven Gemeinschaft werden alle Kinder gleichberechtigt behandelt und ihnen wird Teilhabe und Mitgestaltung ermöglicht.


In der kindzentrierte Inklusion liegt der Fokus am Vermögen (Ability) und den persönlichen Ressourcen und nicht am Nichtvermögen (Disability).

Eine wesentliche Aufgabe von PädagogInnen ist das Beobachten der Kinder mit dem Fokus auf das, was das Kind kann und was gut funktioniert.

In unserer Gesellschaft ist es leider häufig anders. Vielfach wird der Blick auf das gerichtet, was andere nicht können und was sie falsch machen. Mit einer solchen Perspektive gibt es keine Entwicklungen. Entwicklungspotential liegt dort, wo wir ermutigen und nicht demotivieren, wo wir nach Wegen und Möglichkeiten suchen, und nicht nach Gründen.


Sozialraumorientierung

Inklusion ist immer mit allen für das Kind relevanten Sozialräumen und Lebensweltorientierungen verbunden.

Ein Sozialraum beschreibt die engeren und weiteren Lebensräume in dem ein Mensch lebt und sich bewegt. Dazu zählen: Familie, Nachbarschaft, Bildungseinrichtungen, Umfeld des Kindergartens, Schule, Freundes- und Bekanntenkreis, Mitgliedschaften in diversen Vereinen, berufliches Umfeld, Stadtteil, Gemeinde, die Region, …


In der Entwicklung einer inklusiven Pädagogik ist es relevant, auch die verschiedensten Sozialräume der Kinder zu beachten und die Sozialräume der Kinder zu erweitern.


Beim exklusiven Ansatz werden Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, nicht integriert und auf engste Sozialräume begrenzt (z.B. Familie oder Standort einer Einrichtung). Beim inklusiven Ansatz der Sozialraumorientierung werden altersentsprechend die Sozialräume erweitert und neue erschlossen. Der inklusive Ansatz verfolgt das Normalitätsprinzip. Die Teilhabemöglichkeiten von Menschen ohne Behinderung unterscheiden sich nicht von denen der Menschen mit Behinderung.


In einer sozialraumorientierten Gesellschaft steht der Gemeinschaft ein breites Angebot von Menschen mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen unterstützend zur Verfügung.


Sozialräume von Kindern im Vorschulalter:

  • Funktionierende Familien

  • bei Bedarf außerfamiliäre Unterstützungssysteme

  • Bildungs- und Betreuungseinrichtungen

  • Freizeiteinrichtungen


Sozialräume für Bildungs- und Betreuungseinrichtung um den Bildungs- und Betreuungsauftrag in guter Qualität erfüllen zu können:

  • unterstützendes, interdisziplinäres und erreichbares Netzwerk aus Sonderkindergartenpädagoginnen, Therapeuten, Ärzten, Dolmetscher (Fremdsprache, Gebärdensprache)

  • sonderpädagogische Zentren

  • soziale Träger

  • Selbsthilfegruppen

  • Anwaltschaften

  • Interessensvertretungen


In der inklusiven Pädagogik wird jedes Kind in seiner Einzigartigkeit gesehen

Jeder Mensch hat einen einzigartigen Mix aus Potentialen, Talenten und Fähigkeiten. In der inklusiven Pädagogik haben wir die Chance, diese einzigartigen Fähigkeiten zu erkennen, zu fördern und zu entwickeln und in der Identität zu stärken.

Wenn wir Erwachsenen die Einstellung haben, dass Menschen sehr verschieden und jeder Mensch auf seine besondere Art einzigartig ist, leben wir unseren Kindern Werte vor, die eine inklusive Gesellschaft ohne Vorurteile der Andersartigkeit gegenüber möglich macht.


Grundhaltungen pädagogischen Teams für ihre inklusive und kindzentrierte Arbeit

Jedes pädagogische Team sollte sich Gedanken machen, nach welchen Werten und Grundsätzen die Gemeinschaft ausgerichtet werden soll. Diese Grundhaltungen sollen im Konzept verankert, auf allen Ebenen (Eltern, Träger, Leitung, Kinder) kommuniziert und gut sichtbar aufgehängt werden! Die vereinbarten Grundhaltungen sind ein Commitment mit sich und mit anderen, welches man versucht zu leben und das man auch von anderen einfordert.

In der inklusiven Pädagogik müssen PädagogInnen eine vorurteilsbewusste Einstellung mitbringen, denn sie sind Vorbilder, Erklärer und Vermittler. Sie können allen Kindern Erfahrungen mit Vielfalt (Menschen sehen unterschiedlich aus, haben unterschiedliche Sprachen, Ideen, Einstellungen, Vorlieben, …) ermöglichen. PädagogInnen vermitteln die für die Institution definierten Werte/Grundhaltungen und leben diese vor. Wichtig ist aber auch, dass diese Werte auch von den Kindern eingefordert werden.

Kinder, die eine inklusive elementare Bildungs- und Betreuungseinrichtung besuchen, wachsen vorurteilsfreier auf und nehmen Menschen so wahr, wie sie eben sind. So kann eine Zukunft entstehen, in der man sich nicht an den Bedürfnissen nur einiger Menschen orientiert und andere auslässt.


Im Bundesländerübergreifenden BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen

in Österreich (http://www.charlotte-buehler-institut.at/wp-content/pdf-files/Bundesl%C3%A4nder%C3%BCbergreifender%20BildungsRahmenPlan%20f%C3%BCr%20elementare%20Bildungseinrichtungen%20in%20%C3%96sterreich.pdf) ist der Umgang mit Vielfalt in Kinderbildungs- und -Betreuungseinrichtungen folgendermaßen definiert: Genannt werden die Wichtigkeit von Identität, Vertrauen, Kooperation und Konfliktkultur, gemeinschaftlicher Grundwerte, die Wichtigkeit des Raumgebens für Auseinandersetzung und Gespräche über unterschiedliche Traditionen als Basis für ein gemeinsames Miteinander.


Der Wille zur Inklusion allein reicht nicht aus. Inklusion braucht entsprechende Strukturen und Ressourcen.

Integration in elementarpädagogischen Bildungs- und Betreuungsinstitutionen fand eigentlich schon immer statt. Die meisten Pädagoginnen haben eine hohe soziale Kompetenz und wollen jedem Kind helfen, in der Gruppe und im Leben zurechtzukommen. Wo Ressourcen und entsprechende Strukturen fehlen, wird von den Pädagoginnen noch mehr Bemühen und noch höherer Einsatz gezeigt. Wo die zusätzliche Betreuung durch eine Sonderkindergartenpädagogin fehlt, versuchen PädagogInnen Kinder mit Defiziten auch ohne sonderpädagogische Unterstützung bestmöglich zusätzlich zu fördern. Das geht häufig auf Kosten der Substanz der PädagogInnen und auf das Wohl der anderen Kinder der Gruppe.

Professionalität bedeutet nicht, dass man versucht es allen recht zu machen und mit allen Situationen zurecht zu kommen. Professionalität bedeutet, eigene Grenzen wahrzunehmen und mit eigenen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Um die pädagogischen Herausforderungen zu meistern, muss man als PädagogIn selbst in seiner ganzen Kraft stehen, wissen, was ein Inklusionsprozess an Rahmenbedingungen braucht und diese immer wieder einfordern.


Die Pädagoginnen ermöglichen Kindern Alltagserfahrungen mit Vielfalt und Individualität.

In der inklusiven pädagogischen Arbeit gehen Pädagoginnen von den Lebenssituationen der Kinder aus. Grundlage dafür sind die vielfältigen Erlebnisse und Alltagserfahrungen der Kinder, ihre individuellen Bedürfnisse und sozialen Bedingungen. An diese Grundlagen setzen die Angebote in inklusiven elementarpädagogischen Institutionen. Damit Kinder Diversitätskompetenz entwickeln zu können braucht es den Kontakt zu Vielfalt.

Wir leben in einer Zeit der Vielfalt in Hinsicht auf Kulturen, Lebensmodelle, Religionen, Sprachen, Hautfarbe, Alter, … Unsere Gesellschaft ist sehr bunt geworden. Manche Menschen finden das interessant und bereichernd, anderen macht es Angst.

Elementarpädagogischen Einrichtungen kommt eine sehr wichtige Aufgabe zu: PädagogInnen können auf das Bewusstsein der Gesellschaft insofern Einfluss nehmen, indem sie mit den Kindern inklusive Werte leben und einfordern. Das bedeutet auch, dass sie in Kontakt treten mit Menschen und Gruppen, die den Kindern vielleicht noch fremd sind. Kinder haben einen ganz natürlichen Zugang zu Menschen mit Handycap, alten und kranken Menschen, zu Menschen anderer Rassen und Kulturen. Kinder sind neugierig und wollen Vielfalt erfahren, wenn man ihnen die Möglichkeit bietet.

Ganz nach dem Motto: „Wir sind alle vielfältig - das macht uns einzigartig" (unbekannt)




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